Huawei Mate 20 Pro im Test: Das Traum-Handy für Android-Nutzer?

Technologieträger ausprobiert

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von Jan Kluczniok
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Huawei Mate 20 Pro 2

3D-Gesichtserkennung, einen Fingerabdrucksensor im Display kombiniert mit einem Prozessor ähnlich schnell wie der des iPhone XS Max und dem neuesten Android - all das und noch viel mehr verspricht das Datenblatt des Huawei Mate 20 Pro. Ein Traum oder enttäuscht das Handy im Praxis-Einsatz? Ein Test.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitung
  2. Ausstattung und Bedienung
  3. Display
  4. Fingerabdrucksensor
  5. 3D-Gesichtserkennung
  6. Speicher
  7. Software
  8. Sprachqualität
  9. Akkulaufzeit
  10. Kamera
  11. Preis und Verfügbarkeit
  12. Fazit & Alternativen

 - Für das Huawei Mate 20 Pro ist eine neue Betriebssystemversion verfügbar

Für das Mate 20 Pro steht ein erstes Firmware-Update bereit. Die Aktualisierung verbessert laut Huawei die Funktion "Face Unlock" und bringt neue Funktionen für die Kamera. So installiert ihr das Update.

Über kaum ein anderes Android-Smartphone wurde in den vergangenen Monaten so viel im Netz gesprochen wie über das Mate 20 Pro. Beinahe täglich drangen neue Gerüchte zum Huawei-Handy an die Öffentlichkeit und versetzten die Fangemeinde in Ekstase. Egal ob 3D-Gesichtserkennung, Fingerabdrucksensor im Display oder das neueste Android ab Werk - all das was Nutzer beim Samsung Galaxy S9 und Note 9 vermissten, würde das Mate 20 Pro bieten. So schien es. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen und damit auch die Fallhöhe für den chinesischen Hersteller.

Denn häufig schlägt die Vorfreude auf ein neues Top-Smartphone in Enttäuschung um, wenn das Gerät dann doch nicht alle vorab in der Gerüchteküche gehandelten Features bietet. Die gute Nachricht vorab: Die Gerüchte zum Mate 20 Pro stimmten zu 99 Prozent. Lediglich das lange Zeit gehandelte 6,9-Zoll-Display lässt das Gerät vermissen. Der riesige Screen ist dem vorerst nur für China vorgesehenen Schwestermodell Mate 20X vorbehalten. Das Mate 20 Pro bietet "nur" ein 6,39-Zoll-Display.

Aus dem Schneider ist Huawei damit aber noch nicht, denn ein noch so beeindruckendes Datenblatt nutzt nichts, wenn die Technik im Praxiseinsatz versagt. "Man muss die PS auch auf die Strecke bringen", heißt es im Motorsport häufig. Ob Huawei dies beim Mate 20 Pro gelingt, haben wir für euch getestet.

Design und Verarbeitung

Erhältlich ist das Mate 20 Pro weltweit in fünf Farben: Schwarz, Grün, Pink, Blau und Twilight. Hierzulande stehen zum Marktstart Ende Oktober alle Farbvarianten bis auf die grüne und die pinke Variante zur Auswahl. Die grüne Version erscheint in Deutschland am 7. November, das pinke Modell ist nur über den Importhandel erhältlich. Bei unserem Testgerät handelt es sich um die Farbvariante "Twilight", zu der wir euch auch raten würden. Denn der regenbogenartige Farbverlauf ist ein echter Hingucker. Solch ein Handy haben eure Freunde noch nicht oft gesehen. Nicht umsonst kopieren mit Wiko und Samsung mittlerweile mehrere Hersteller die Optik in neuen Modellen.

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Getrübt wird das schönere Äußere nur durch die Anfälligkeit des Covers für Fingerabdrücke. Dies ist typisch für Smartphones mit einer Rückseite aus Glas. Huawei entgegnet dieser Problematik in der grünen und blauen Farbvariante mit einer Technik namens "Hyper Optical Pattern". Die Rückseite weist hier eine feine Riffelung auf, wodurch die Fingerabdrücke nicht so gut zu sehen sein sollen. Zudem soll das Gerät dadurch griffiger sein. Eine ähnliche Technik wendet HTC beim U12 life an. Leider konnten wir das Mate 20 Pro in diesem Farbvarianten noch nicht testen. Werden dies aber bald möglichst nachholen.

Der Rahmen des Mate 20 Pro ist übrigens aus Metall gefertigt. Ihr werdet ihn aber kaum bemerken. Denn der Screen erstreckt sich beim neue Top-Modell von Huawei bis auf den Rahmen. Solche abgeschrägten Displaykanten kennt ihr sonst nur von Samsungs Galaxy S- und Note-Modellen oder dem im Frühjahr vorgestellten Porsche-Design-Smartphone Mate RS. Ähnlichkeiten zu einem weiteren Huawei-Handy kann das Mate 20 Pro ebenfalls nicht verleugnen. Vom P20 Pro stammt die Einkerbung im oberen Bereich des Displays. Sie fällt aber deutlich breiter als bei diesem aus. Grund hierfür ist die eingangs erwähnte 3D-Gesichtserkennung, auf die wir später noch ausführlich eingehen werden.

Trotz der deutlichen Ähnlichkeiten zu anderen Huawei-Modellen behält sich das Mate 20 Pro durch einige feine Details aber einen individuellen Charakter. So ist der Einschalter jetzt etwa in Rot gehalten, um ihn besser vom Gehäuse abzuheben. Dieses weist zudem kaum noch Unterbrechungen auf. Huawei hat den Lautsprecher am unteren Rand des Handys verschwinden lassen. Er wurde in den USB C-Port integriert. Eine clevere Idee, die sich auch nicht auf die Soundqualität auswirkt. Die Triple-Kamera auf der Rückseite ist nun zusammen mit der Foto-LED quadratisch und nicht mehr vertikal angeordnet. Huawei will so den Scheinwerfer eines Sportwagens nachahmen.

Modell Displaygröße Abmessungen
Huawei Mate 20 Pro 6,39 Zoll 157,8 x 72,3 x 8,6 Millimeter
Google Pixel 3 XL 6,3 Zoll 158 x 76,7 x 7,9 Millimeter
Apple iPhone XS Max 6,5 Zoll 157,5 x 77,4 x 7,4 Millimeter
Samsung Galaxy Note 9 6,4 Zoll 161,9 x 76,4 x 8,8 Millimeter
OnePlus 6 6,28 Zoll 155,7 x 75,4 x 7,75 Millimeter

Dank des kompakten Formfaktors ist das Mate 20 Pro ein echter Handschmeichler. Im Vergleich zu anderen Top-Smartphones ist das Huawei-Handy äußerst schmal (siehe Tabelle), wodurch es sich leicht umgreifen lässt und besser in der Hand liegt als etwa das sehr breite Galaxy Note 9 oder das OnePlus 6. Die abgeschrägten Displaykanten mindern ein wenig die Griffigkeit. Dieses Problem lässt sich aber mit einer Schutzhülle lösen. Dank einer IP68-Zertifizierung müsst ihr euch im Alltag auch keine Gedanken machen, wenn ihr mit dem Mate 20 im Regen telefoniert oder ein Glas Wasser über dem Handy verkippt. Gegen Salzwasser gilt der Schutz aber nicht.

Ausstattung und Bedienung

Abgesehen von einem UKW-Radioempfänger verbaut Huawei im Mate 20 Pro eigentlich alles an Sensoren und Chips, was der Markt derzeit hergibt - dank Infrarotsensor könnt ihr sogar euren alten Fernseher mit dem Huawei-Handy steuern. Zu den Ausstattungs-Highlights zählen die 3D-Gesichtserkennung, der Fingerabdrucksensor im Display und der neue 7-Nanometer-Prozessor. Nachfolgend verraten wir euch, wie gut sich diese und weitere Komponenten in der Praxis bewähren.

Display

Neben den gebogenen Bildschirmkanten weist das Display des Mate 20 Pro noch weitere Besonderheiten auf. So verbaut Huawei hier erstmals abseits der zusammen mit Porsche Design entwickelten Geräte ein QHD-Display. Ab Werk ist die Auflösung aber auf Full HD heruntergeregelt. Die Darstellung ist dennoch scharf.

Nervige Farbverfälschungen oder einen Abfall der Helligkeit bei der Betrachtung aus verschiedenen Winkeln konnten wir im Test nicht feststellen. Beeinträchtigt wird die Darstellung manchmal jedoch dadurch, dass sich Licht in den abgeschrägten Displaykanten bricht. Als wirklich störend empfanden wir diese im Test aber nicht.

Fingerabdrucksensor

Eine weitere Besonderheit ist der in den Bildschirm integrierte Fingerabdrucksensor. Den bot zwar bereits das Mate RS, beim Mate 20 Pro reagiert er aber deutlich schneller und ihr müsst weniger Druck ausüben, um das Gerät zu entsperren. Einen weiteren Sensor auf der Rückseite bietet das Mate 20 Pro anders als das RS-Modell nicht mehr. Somit müsst ihr auf Streichgesten beim Fingerabdrucksensor verzichten.

3D-Gesichtserkennung

Huawei setzt beim Mate 20 Pro auf eine 3D-Gesichtserkennung im Stile von Apples Face ID.
Huawei setzt beim Mate 20 Pro auf eine 3D-Gesichtserkennung im Stile von Apples Face ID. (Quelle: netzwelt)

Alternativ könnt ihr das Handy aber auch per Gesichtserkennung entsperren. In der üppigen Einkerbung am oberen Displayrand bringt Huawei dafür als erster Hersteller eines Android-Handys Komponenten für eine 3D-Gesichtserkennung unter. Die "Face-Scan" genannte Technik ähnelt im Aufbau dem von Apple verwendeten FaceID und funktionierte im Test ähnlich zuverlässig.

Die Kollegen von AndroidPit haben in ihrem Test allerdings festgestellt, dass das Mate 20 Pro trotz dieser aufwendigen Technik mitunter doch von ähnlich aussehnenden Personen entsperrt werden kann. Wir konnten diesen Fehler in der Redaktion mit eineiigen Zwillingen nicht nachstellen. Daher könnte es sich um einen Einzelfall handeln. Huawei prüft dies aktuell. Habt ihr dennoch Sicherheitsbedenken, könnt ihr sensible Apps aber zusätzlich noch mit eurem Fingerabdruck sichern.

Update: 30. Oktober: Huawei hat diesen Fehler durch ein Software-Update auf die Version "9.0.0.122" behoben.

Performance

Während im P20 Pro noch der Octa-Core-Chip Kirin 970 aus dem vergangenen Herbst werkelt, hat Huawei beim Mate 20 einen neuen Motor verbaut. Diesen hat das Unternehmen bereits auf der IFA in Berlin vorgestellt: Der Kirin 980 ist der weltweit erste angekündigte Prozessor, der im 7-Nanometer-Verfahren gebaut wird. Drei Jahre lang hat der chinesische Hersteller geforscht, ehe das Produktionsverfahren Serienreife erlangte. Im Mate 20 Pro feiert er nun endlich Premiere. Huawei bringt hier 6,9 Milliarden Transistoren auf einer Fläche von einem Quadratzentimeter unter. Das sind 1,6 mal so viele Transistoren wie im Vorgänger Kirin 970, was auf einen ordentlichen Leistungsschub hoffen lässt.

Tatsächlich darf sich das Mate 20 Pro den von uns durchgeführten Benchmarks zufolge Hoffnungen auf den Titel des schnellsten Android-Smartphones 2018 machen. Zu einem Sieg über das iPhone XS, das ebenfalls einen 7-Nanometer-Prozessor besitzt, reicht es aber nicht. Das erzielt bei Geekbench im selben Test deutlich über 4.000 Punkte. Der Unterschied zwischen dem Mate 20 und andere Android-Geräten fällt zudem nicht so groß aus, wie die vorab im Netz kursierenden Benchmarks es vermuten ließen. In Sachen Rechenpower müsst ihr euch beim Huawei-Handy dennoch keine Sorgen machen. Von Asphalt 9 bis hin zu Fortnite - alles was Google Play an Spielen hergibt, läuft auf dem Mate 20 Pro flüssig.

Benchmark/Handy Huawei P20 Pro Huawei Mate 20 Pro Galaxy Note 9 Apple iPhone XS Max
GeekBench (Single-Core) 1.915 Punkte 3.232 Punkte 3.595 Punkte 4.732 Punkte
GeekBench (Multi-Core) 6.780 Punkte 9.786 Punkte 9.071 Punkte 11.212 Punkte
AnTuTu 209.015 Punkte 271.958 Punkte 247.814 Punkte 358.855 Punkte

Allerdings bemerkten wir im Alltag einige Male in der Bedienung des Android-Systems kleinere Ruckler und Hänger. Nicht immer reagierte das Mate 20 Pro direkt auf unsere Eingabe. Insbesondere, wenn sich ein App-Symbol auf dem Startbildschirm nahe am Rand befand. Wir konnten nicht abschließend klären, ob Huawei hier versucht Fehleingaben durch die gebogenen Bildschirmkanten zu minimieren oder dies ein Problem der noch nicht finalen Firmware auf dem Gerät war. Werden dies aber noch weiter erforschen. Anzumerken ist noch, dass die hier genannten Benchmark-Werte im normalen Leistungsmodus erzielt wurden. Wer will kann das Mate 20 Pro noch in einen Hochleistungsmodus versetzen und dann noch ein paar Prozent mehr herauskitzeln.

Benchmarks sind aber natürlich nur die halbe Wahrheit. Einerseits lassen sie sich leicht manipulieren, andererseits entsprechen die getesteten Sachverhalte nicht unbedingt eurem täglichen Nutzungsverhalten. Huawei verspricht, durch maschinelles Lernen und weitere Optimierungen beim Mate 20 die Startzeit der 15 beliebtesten Apps im Vergleich zum iPhone XS um knapp 1 Sekunde verkürzt zu haben. Ob das stimmt, muss erst ein Langzeit-Test zeigen. Wir werden den Artikel demnächst entsprechend aktualisieren.

Speicher

Anders als beim Mate 10 Pro könnt ihr den Speicher des Mate 20 Pro bei Bedarf erweitern. Eine microSD-Karte passt aber nicht in das Smartphone. Stattdessen setzt Huawei auf das selbst entwickelte Nano Memory-Format (NM Card). Diese Speicherkarten sind deutlich kleiner als das mittlerweile 15 Jahre alte microSD-Kartenformat.

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Sie sind in den Abmessungen mit einer Nano-SIM-Karte identisch. Abseits der Größe bringt die NM Card aber keine Vorteile. Die Geschwindigkeit und maximale Speicherkapazität bewegt sich auf oder sogar noch unter dem Niveau aktueller microSD-Karten. Dennoch ist eine NM Card aktuell teurer als eine vergleichbare microSD.

Software

Ab Werk läuft das Mate 20 Pro mit der aktuellen Android-Version 9.0 Pie. Dank der Zertifizierung für das Android Enterprise Recommended-Programm sind euch zudem quartalsweise Sicherheitsupdates sicher. In der Regel liefert Huawei diese Patches aber häufiger aus.

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Natürlich setzt der chinesische Hersteller nicht auf ein pures Android, sondern überzieht das Google-OS mit seiner hauseigenen Nutzeroberfläche EMUI, die stark an Apples iOS erinnert. Diese liegt nun auch in der neuen Version 9.0 vor und beinhaltet einige neue Funktionen - wie unter anderem:

  • Highlights: Bereits der Vorgänger EMUI 8 bot eine Highlight-Funktion. Diese wurde zusammen mit GoPro entwickelt und in die Galerie-App integriert. Nutzer konnten damit aus ihren Bildern und Videos kleine Highlight-Clips erstellen, die mit passender Musik untermalt wurden. Dies soll nun bei der EMUI 9 dank einer künstlichen Intelligenz vollautomatisch erfolgen, und zwar sobald der Bildschirm abgeschaltet wurde und euer Smartphone geladen wird.
  • Digital Balance: Hinter dem Begriff "Digital Balance" verstecken sich zahlreiche Features, die euch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit eurem Handy verhelfen sollen. So könnt ihr hier detaillierte Statistiken abrufen, die euch verraten, wie oft ihr euer Smartphone heute schon entsperrt habt und wie viel Zeit ihr mit bestimmten Apps verbracht habt. Ihr könnt für jede App ein tägliches Zeitlimit festlegen. Wird dies überschritten, kann die App erst wieder am nächsten Tag genutzt werden. Außerdem könnt ihr eine Schlafenszeit festlegen, innerhalb dieser ist der Bildschirm des Handys ausgegraut.
  • HiVision: In die Kamera-App erhält zudem die Funktion HiVision Einzug. Diese identifiziert Sehenswürdigkeiten und Gemälde und liefert dem Nutzer Informationen dazu. So werden bei Gemälden etwa der Künstler, das Erscheinungsjahr sowie die Größe des Kunstwerkes angezeigt. Die Daten stammen dabei von der Kunstmarkt-App Magnus. Die App bezeichnet sich selbst als das Shazam für Kunst. Bei Sehenswürdigkeiten arbeitet Huawei dagegen unter anderem mit Tripadvisor zusammen.

Auf unserem Testgerät standen noch nicht alle neuen EMUI 9-Features zur Verfügung, andere bekannte Features wie etwa die Shopping-Hilfe HiTouch waren im Test eher nervig, denn praktisch. Gott sei dank erlaubt Huawei aber die Nutzeroberfläche bis ins kleinste Detail an die eigenen Ansprüche anzupassen und unliebsame Funktionen zu deaktivieren.

Sprachqualität

Das Mate 20 Pro verfügt über mehr als ein Mikrofon und nutzt die weiteren Audioquellen zur Filterung von Störgeräuschen. Dies gelang im Test insgesamt ganz gut, allerdings wirkten die Stimmen der Gesprächspartner durch den Eingriff etwas künstlich, woran man sich aber gewöhnen kann. "Festnetz-Feeling" kommt beim Telefonieren mit dem Huawei-Handy zwar nicht auf, dennoch bietet das Gerät hier eine überdurchschnittliche Leistung. Wahlweise könnt ihr das Mate 20 Pro in der Dual-SIM-Version auch mit zwei SIM-Karten betreibe. Dann müsst ihr aber auf die Möglichkeit verzichten, den Speicher zu erweitern.

Akkulaufzeit

Die Akkukapazität hat Huawei im Vergleich zum Mate 10 Pro noch einmal aufgestockt. Statt eines 4.000-Milliamperestunden-Akkus ist im Mate 20 Pro eine Batterie mit einer Kapazität von 4.200 Milliamperestunden verbaut. In unserem Akku-Test erreichte das Smartphone bei PCMark eine rekordverdächtige Laufzeit von 14 Stunden und 36 Minuten. Je nach Nutzungsintensität sind also durchaus auch bis zu zwei Tage Nutzungsdauer mit einer Akkuladung möglich. Was will man mehr?

Ist der Akku einmal leer, könnt ihr ihn an der Steckdose aufladen. Auch hierbei erzielt das Handy Rekordwerte. Dank des beiliegenden neuen 40-Watt-SuperCharge-Netzteils ist das Handy in knapp 60 Minuten von 0 auf 100 Prozent geladen. Zum Vergleich: Das P20 Pro benötigt für einen Ladezyklus 90 Minuten, das Note sogar 110 Minuten. Wahlweise lässt sich das Mate 20 Pro auch drahtlos laden. Dann dauert der Ladevorgang in etwa zwei Stunden - vorausgesetzt ihr nutzt den Huawei Wireless Charger. Dieser lädt eure Handy drahtlos mit 15 Watt auf. Bei Wireless Chargern von Drittanbieter ist die Leistung möglicherweise gedrosselt, sodass der Prozess mitunter noch etwas länger dauert. Ein nettes Gimmick. Das Handy kann auch selbst als Wireless Charger für andere Qi-fähige Geräte fungieren.

Im Test luden wir etwa unser Galaxy S9 über die Rückseite des Mate 20 Pro. Dazu müsst ihr diese Option aber erst einmal in den Einstellungen aktivieren und die Geräte übereinander ausrichten. Die Funktion zerrt massiv am Akku des Huawei-Handys. Binnen 30 Minuten konnten wir im Kurztest den Akkustand unseres Galaxy S9 um 11 Punkte von 86 auf 97 Prozent heben, das Mate 20 Pro verlor in diesem Zeitraum aber satte 16 Prozentpunkte auf dem Akkustandzeiger. Zudem klappte das induktive Aufladen im Test nicht mit jedem Gerät. Das ältere Motorola-Handy Moto X Force sowie die Galaxy Watch ließen sich nicht mit dem Mate 20 Pro drahtlos laden. Den Grund hierfür konnten wir noch nicht klären.

Kamera

Bei der Mate-Serie legt Huawei bei der Entwicklung den Fokus vornehmlich auf Akkulaufzeit und Performance. Neue Kamera-Innovationen führt der chinesische Hersteller eher im Frühjahr mit seiner P-Serie ein. Dementsprechend ist die im Mate 20 Pro verbaute Triple-Kamera lediglich eine Weiterentwicklung der Kamera des P20 Pro. Huawei hat den Monochromsensor gegen einen Farbsensor mit Superweitwinkel getauscht. So kann die Kamera nun Brennweiten zwischen 16 und 80 Millimetern abdecken, ehe sie in den Digitalzoom wechselt. Beim P20 Pro waren es dagegen 27 bis 80 Millimeter. Das erlaubt Handy-Fotos mit ungewöhnlichen Blickwinkel.

Mate 20 Pro (Super-Weitwinkel)
Mate 20 Pro (Regulärer Handy-Winkel)

Das linke Bild zeigt die Große Elbstraße mit einem für Handy-Kameras typischen Weitwinkel, das rechte Bild zeigt dasselbe Motiv aufgenommen mit dem Superweitwinkel des Mate 20 Pro.

Des Weiteren ermöglicht die 3D-Gesichterkennung verschiedene Spielereien - etwa bereits vom Mate 20 Lite bekannten 3D Qmoji. Anders als beim Lite-Modell können diese auf dem Pro-Modell sogar die Zunge rausstrecken. Auch für Hobbyfilmer gibt es Neuerungen: Die in den Kirin 980 integrierten neuronalen Co-Prozessoren ermöglichen in Echtzeit coole Filter-Effekte. So könnt ihr etwa Personen in einem Video farbig erscheinen lassen, während der Rest des Bildes in Schwarz-weiß erscheint. Im Test arbeitete die Funktion aber noch fehlerhaft, vor allem wenn mehrere Personen im Bild waren.

Huawei Mate 20 Pro: Kamera-Samples

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Noch nicht testen konnten wir die Möglichkeit, mit der Kamera 3D-Objekte zu scannen und zu animieren. Sie wird erst mit einem späteren Software-Update nachgereicht. Insgesamt gesehen gehört die Kamera des Mate 20 Pro mit all ihren Funktionen aber wieder zum besten, was der Markt an Kamera-Handys hergibt. In der Mediengalerie könnt ihr euch einen eigenen Eindruck von der Bildqualität der Kamera des Mate 20 Pro machen. Übrigens: Die Bilder in unserem Testbericht des Amazon Echo Dot (3. Gen) wurden alle mit dem Mate 20 Pro geschossen.

Preis und Verfügbarkeit

Das Huawei Mate 20 Pro ist ab sofort im Handel erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt in Deutschland bei 999 Euro. Dafür erhaltet ihr das Smartphone mit 128 Gigabyte Speicher. Weitere Ausführungen des Handys mit mehr Speicher werden offiziell hierzulande nicht angeboten.

Huawei Mate 20 Pro: Fazit

Huawei rennt der Konkurrenz davon 9.4/10

Das Huawei Mate 20 Pro ist ein echter Technologieträger und stellt in dieser Hinsicht zumindest im Android-Lager derzeit alle anderen Geräte in den Schatten. Wer ein High End-Handy sucht, kommt an diesem Modell nicht vorbei. Zumal der chinesische Hersteller das volle Potenzial der Hardware noch nicht ausschöpft. Einige Funktionen werden erste später per Software-Update nachgereicht.

Das hat uns gefallen

  • kompakte bauweise
  • Fingerabdrucksensor im Display
  • Android 9
  • 3D-Gesichtserkennung
  • Kamera
  • lange Akkulaufzeit
  • kann als Ladematte für andere Qi-fähige Geräte fungieren

Das hat uns nicht gefallen

  • proprietäres Speicherkartenformat
  • einige Funktionen werden erst per Software-Update nachgereicht
Testnote 9,4 von 10
Jan Kluczniok
Bewertet von Jan Kluczniok
9,0 / 10
Design und Verarbeitung

Design und Verarbeitung Designsprache, Farbauswahl, gewählte Materialien, Haptik und der so genannte Look & Feel des Geräts werden unter diesem Punkt bewertet.

10 / 10
Ausstattung und Bedienung

Ausstattung und Bedienung Display, Prozessor, Gerätespeicher, Betriebssystem und Nutzeroberfläche werden unter diesem Punkt bewertet.

8,0 / 10
Sprachqualität

Sprachqualität Wie klingen die Gesprächspartner? Gibt es Aussetzer in der Verbindung? Dies wird unter diesem Punkt bewertet.

10 / 10
Akkulaufzeit

Akkulaufzeit Lauf- und Ladezeiten des Akkus sowie die Bauweise (fest oder wechselbar) werden unter diesem Punkt bewertet

10 / 10
Multimedia

Multimedia Kamera, Lautsprecher sowie weitere Multimedia-Funktionen (zum Beispiel Infrarotsender) werden unter diesem Punkt bewertet.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät ist eine Dauerleihgabe von Huawei.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

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9
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Huawei Mate 20 Pro verglichen

Ihr seid euch unsicher, ob ihr das Huawei Mate 20 Pro kaufen oder lieber zu einem Konkurrenzprodukt greifen solltet? Die folgenden Vergleichstests helfen euch bei der Kaufentscheidung. Wir stellen hier das Huawei Mate 20 Pro seinen schärfsten Konkurrenten gegenüber.

Bestenlisten

Huawei Mate 20 Pro wurde in folgende Smartphone-Bestenlisten einsortiert.

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  1. Gastkommentar · 

    Die UVP für Deutschland liegt bei 999€ nicht bei 1049€

    1. Jan Niels Kluczniok · 

      Danke für den Hinweis. In London war noch von 1.049 Euro die Rede. Korrigieren wir.

  2. Savero Fa · 

    Es sollte heißen:" Die Kunden laufen zur Konkurrenz" Weil es z.B. das Mate 20x nicht in Deutschland geben wird, werde ich zu Xiaomi laufen (Mi Max 3). Warum muß man in Deutschland alles über 6,5 Zoll irgendwo her importieren?

    1. Gastkommentar · 

      Habe mir vor ein paar Tagen das Mi 8 bestellt. Zur Zeit habe ich das Galaxy S9 :)

Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Smartphone, Huawei und Huawei Mate 20 Pro.

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